Erneuerbare Energien sind ein Wesensmerkmal der Stadtwerke Merzig. Ein neuer Meilenstein ist die Hybrid-PV-Anlage in Merchingen/Brotdorf.Im Interview berichtet Projektleiter Pascal Malburg über die Hintergründe.
Wie ist die Idee zu der neuen Hybrid-PV-Anlage entstanden?
Die Idee, Photovoltaik in unserer Region auszubauen, wurde bei den Stadtwerken Merzig schon vor etwa einem Vierteljahrhundert geboren. Angefangen mit der ersten Freiflächen- PV-Anlage auf der ehemaligen Deponie in Fitten bis hin zu mittlerweile insgesamt 16 PV-Anlagen auf öffentlichen Gebäuden im Stadtgebiet erzeugen alle zusammen mit einer Gesamtleistung von rund 3.500 kWp in Summe mehr als 3,3 Millionen kWh Strom. Das entspricht dem jährlichen Durchschnittsstrombedarf von etwa 950 Haushalten.
Für diese Flächen in Merchingen und Brotdorf haben wir uns entschieden, da sie beim Thema Netzanschluss einen riesengroßen Vorteil mit sich bringen. Aufgrund der Windparks in der Nähe ist ein Netz vorhanden, das wir für den Anschluss der Anlage uneingeschränkt mitnutzen konnten. Auch der erforderliche Eingriff in die Natur fiel äußerst gering aus.
Welches sind die herausragenden Besonderheiten des geplanten Solarparks?
Bei diesem Projekt sind wir auf eine Sache besonders stolz: Früher haben Flächen, auf denen in Zukunft PV-Module installiert werden sollten, in der Regel einem anderen Zweck gedient, der geopfert werden musste. Genau das ist im Falle unserer Agri-PV-Hybrid-Anlage nicht der Fall. Die alte Weidefläche unterhalb der Süd-PV, bei der wir uns für Agri-PV entschieden haben, wird auch künftig beweidet. Und die alte Ackerfläche wird auch künftig von denselben Landwirten wie zuvor weiterhin als Acker genutzt werden. Energieversorgung dezentral und erneuerbar
Wie sah es mit den Finanzierungsmöglichkeiten aus?
Bei der Finanzierung des Projekts haben wir gute Erfahrungen mit dem sogenannten S-Klima-Sparbrief der Sparkasse Merzig-Wadern gemacht. Über diese besondere, zweckgebundene Form des Sparbriefs konnten sich Anleger direkt am Solarpark Merchingen/Brotdorf beteiligen, indem sie einen festen Betrag – der Einstieg lag bei wenigstens 1.000 Euro – für eine Laufzeit von vier Jahren und dieses eine Projekt anlegten. Damit hatten wir in kürzester Zeit das geplante Kontingent in Höhe von 3 Millionen Euro zusammen.
Wie ist die Akzeptanz innerhalb der Bevölkerung?
In diesem Punkt haben wir von Anfang an auf Kommunikation und Transparenz gesetzt – wie übrigens bei allen Erneuerbare-Energien-Projekten davor auch schon – und die besten Erfahrungen damit gemacht. Wir waren während der Projektierung in allen Ortsräten aktiv. Auch durch die Offenlegung des Bauleitverfahrens hatten wir immer wieder Kontakt zu den einzelnen Ortsräten und den Gremien. Dort sind wir regelmäßig physisch in Präsenz erschienen, sodass uns die Menschen mittlerweile persönlich kennen. Wir haben in allen Projektphasen immer bereitwillig Rede und Antwort gestanden. Das hat langsam und nachhaltig großes Vertrauen auf beiden Seiten aufgebaut. Dasselbe gilt auch für die Ökostrom Saar, eine Firma, mit der wir das Projekt realisieren. Die Ökostrom Saar, die kontinuierlich wächst und sich zu einem beachtlichen und attraktiven Arbeitgeber in dieser Region entwickelt hat, gibt es hier in Merzig schon seit mehr als 30 Jahren. Die große Akzeptanz, die wir innerhalb der Bevölkerung genießen, hat auch viel mit der Gewissheit zu tun, dass wir immer da sind, sollten über diesen langen Zeitraum innerhalb des Projekts einmal Probleme auftreten. Im Unterschied zu anderen großen externen Projektierern sind wir nicht irgendwann verschwunden und nicht mehr greifbar. Wir werden auch nach Projektabschluss noch da sein, zuhören, die Interessen der Bürgerinnen und Bürger ernst nehmen und alle auftretenden Probleme lösen.
Wer profitiert perspektivisch besonders von der neuen Anlage?
Ich würde pauschal sagen: die gesamte Region. Denn perspektivisch ist hier die regionale Wertschöpfung dieses innovativen Solarparks sicherlich einer der zentralen Begleitaspekte.